Umstrittenes Internet

„Ich boykottiere das Internet. Ich werde da nicht mitmachen!“ Diesen Satz hörte ich kürzlich aus dem Mund einer älteren Dame. Typisch Seniorin, dachte ich mir und hakte das Thema innerlich ab. Ich kenne diese Haltung aus der eigenen Familie und weiß, wie fruchtlos die Diskussion zu diesem Thema ist. Meine Mutter beißt sich mit ihren 62 Jahren tapfer durch den Internet-Dschungel. Mein Vater macht derweil Kreuzworträtsel und lässt meine Mutter hin und wieder ein Lösungswort für ihn googeln. Aber er wird den Computer nicht anrühren, egal welche Argumente man vorbringt.

Dabei weiß ich doch genau, wie wunderbar das Internet ist! Ich habe versucht, zu fasten und vierzig Tage offline zu überleben. Ich habe es nicht geschafft, was vor allem daran lag, dass mir beim Leben ohne Internet alltägliche Verrichtungen nur mit unglaublichen Umständen möglich waren. Zum Beispiel die Suche nach einer Zugverbindung. Soll ich deswegen extra zum Bahnhof laufen? Oder tatsächlich meine Überweisungen bei der Sparkasse in den Briefschlitz werfen? 2012 ist das eindeutig vermeidbarer Aufwand.

Ich habe die „digital Natives“ Generation nur ganz knapp verpasst, kann mich also noch an eine Zeit ohne Internet erinnern. Zugegeben, ein wenig vage und durch Kinderaugen, aber immerhin. Den ersten Computer besaßen meine Schwester und ich im Alter von 13. Da war das Internet noch nicht wirklich das, was es heute ist – oder ich habe es nicht so wahrgenommen. Damals habe ich den riesigen weißen Kasten auch oft nur zum Spielen benutzt.

Wahrscheinlich bin ich deshalb auch eher ein skeptischer Facebook-Nutzer und hin und wieder etwas datenparanoid. Freunde von mir, die nur wenige Jahre jünger sind als ich, finden das schon altmodisch. Schön ist es dann, wenn ich ihnen erklären kann, warum mich der Gedanke an weltweit einsehbare Infos über mich nervös macht. Wenn wir uns darüber austauschen, ob wir die Sorgen des anderen teilen oder sie zerstreuen können. Das gilt umso mehr für meine Vorgänger-Generationen. Warum sollte ich kein Verständnis dafür aufbringen, dass jemand sich vor der Welt des Internets scheut, wenn er mir seine Gründe erklärt? Warum sollte der andere nicht verstehen, warum ich nicht mehr ohne kann?

Mich hat die anfangs erwähnte Äußerung der älteren Dame nur im ersten Moment kalt gelassen, dann war ich kurz empört, dann interessiert. Ich würde gern genauer wissen, warum „wir Jungen“ und „ihr Alten“ uns gerade bei diesem Thema so uneinig sind.

 

Ein Kommentar zu “Umstrittenes Internet”

  1. OmaKosel 19 November 2012 at 16:52 #

    Hallo, Kristina,
    mein Mann war auch so ein Computermuffel, aber jetzt genießt er es, sich über Reiseziele oder Wein informieren zu können,ohne einen Berg Zeitschriften zu wälzen. Ich nutze das Internet sehr oft, manchmal auch zum Zeit totschlagen. Dann ärgere ich mich über mich. Auf einer Schulfreundeseite schwelgen wir in Erinnerungen. ich nutze das Internet aber auch, um einen Kindergottesdienst vorzubereiten,verschiedene Bibelübersetzungen zu vergleichen, Liedtexte oder Kinderreime herunterzuladen. Das kommt dann meinen Enkelkindern zugute. Lästig sind die Spams, aber E-Mail ist sonst sehr praktisch. Im Urlaub komme ich aber sehr gut ohne Computer und Fernseher aus. Ich scheine also noch nicht süchtig zu sein. Ihr jungen Leute, nutzt die moderne Technik, aber passt auf: wenn echte zwischenmenschliche Kontakt nicht mehr gepflegt werden , dann läuft etwas schief!


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