Ich bin von Flaschen umgeben
Ich trinke ab und an Bier. Naja, ab und an ist wohl etwas untertrieben. Ich trinke sehr gerne Bier. An einer Vorliebe für Bier ist ja auch grundsätzlich nichts auszusetzen. Mein Problem ist genau genommen auch nicht das Bier an sich, sondern die Flasche, in der es sich befindet. Nein, es ist nicht einmal die Flasche. Es ist das Pfand für die Flasche. Gäbe es das Flaschenpfand nicht, ich könnte die Dinger einfach im Müll entsorgen. Aber nein, eine dieser Flaschen ist zwischen 8 und 25 Cent wert. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Also habe ich die Flaschen erstmal in meinem Zimmer gesammelt, mit dem Vorsatz, sie zurückzugeben. Der Vorsatz war gut, die Umsetzung schlecht.
Irgendwann fing die Anwesenheit der Flaschen an, mich zu nerven. Früher habe ich die leeren Flaschen meiner Mutter gegeben, die hat sie dann zurückgegeben. Naja, sie wohnt jetzt 500 Kilometer weit weg. Meine Flaschen zurückzugeben fällt also jetzt auch in meinen Aufgabenbereich. Am einfachsten wäre es natürlich, jedes Mal wenn ich einkaufen gehe, ein paar Flaschen mitzunehmen. Wollte ich machen, konnte aber nur die Hälfte zurückgeben, da der Rest von anderen Läden war. Die nehmen nämlich nur ihre eigenen Flaschen zurück. War mir neu. Da sie mir auf Grund der langen Zeit, die wir da schon zusammen wohnten, ans Herz gewachsen waren, nahm ich die Flaschen wieder mit nach Hause. Gute Freunde gibt man nicht einfach so weg.
Aber man kann auch zu viele Freunde haben. Ich hatte auf jeden Fall zu viele. Insgesamt waren sie ca. 12 € wert. Habe sie alle in eine große Tasche geschmissen und dahin zurückgebracht, wo sie herkamen. Das Geschepper war schon ziemlich peinlich. Irgendwie hat es sich nicht besonders gut angefühlt, damit durch die Stadt zu laufen. Zumal sich einige Leute wirklich nach mir umgedreht und Blicke à la „In dem Alter schon…“ zugeworfen haben. Ich mache das übrigens auch immer, wenn jemand im Supermarkt dreißig Bierflaschen eintauscht. Jetzt auf der anderen Seite zu stehen, fand ich nicht besonders angenehm. Ohne übertreiben zu wollen, kann ich behaupten: Ich hatte Angst, dass mich dabei jemand „erwischt“, den ich kenne. Dementsprechend erleichtert war ich, als ich wieder in meinen eigenen, inzwischen flaschenfreien vier Wänden war.
Meine Eltern haben früher immer zu mir gemeint: „Die lange Bank ist dein liebstes Möbelstück.“ Ich muss zugeben, dass sie damit richtig liegen. Ich schiebe bestimmte Dinge gerne auf. Aber leider gibt es im Leben eben ein paar unangenehme Pflichten. Und eines kann ich euch sagen: Wenn man ausgezogen ist, werden es auf jeden Fall mehr und nicht weniger. Ob es nun Pfandflaschen sind oder Briefe von der GEZ. Warum es nichts bringt, sie vor sich herzuschieben? Erstens muss es sowieso erledigt werden. Zweitens hat man die Aufgaben, trotz aller angewendeten Verdrängungsmechanismen immer im Hinterkopf, was sehr belastend sein kann. Ähnlich verhält es sich mit Geburtstagsanrufen und Zahnarztbesuchen. Deswegen habe ich noch ein Zitat für alle, die ebenfalls unter „Aufschieberitis“ leiden:
„Die meisten Menschen wenden mehr Zeit und Kraft daran, um die Probleme herumzureden, als sie anzupacken.“ (Henry Ford)
Tipps für alle frisch ausgezogenen Pfandflaschensammler:
- Bringt die Flaschen gleich zurück. Sind es erst einmal zu viele, lasst ihr sie doch nur stehen.
- Kauft Pfandflaschen am besten nur bei einem einzigen Laden. Ansonsten steht euch nämlich ein ziemlich umfangreicher Spaziergang zu allen Supermärkten im Radius von einigen Kilometern bevor. Mit einer klirrenden Tasche auf dem Rücken.
- Seid außerdem ausdauernd, wenn ihr eure Flaschen bei einem Automaten zurückgebt. Die Dinger nehmen Flaschen und Dosen oft nicht gleich beim ersten Versuch an. „Blind“ nimmt der Automat übrigens Flaschen an, die in einem Kasten stehen. Der allerdings muss im Laden auch erhältlich sein.
- Links mit Infos über die rechtlichen Grundlagen und noch ein paar praktische Tipps zu Pfandflaschen:

