Nur ein Löffelchen voll Zucker

Es gibt Sätze, die man als Kind nicht gerne hört. „Räum dein Zimmer auf!“ ist einer davon. Nicht weniger furchteinflößend sind die Varianten: „Bis heute Abend hast du alles weggeräumt!“ und „Um sechs Uhr kommt der Spielzeug-Fresser!“ Es ist lächerlich, aber wenn es darum geht, das Chaos, das man Stück für Stück angesammelt hat, zu verteidigen, werden kleine süße Kinder, wie ich es war, zu Mini-Monstern, die mit den Füßen aufstampfen und das ganze Haus zusammenschreien. Fakt ist: Ganz gleich, ob wir das Chaos lieben oder uns nur einreden, dass es so ist – wir möchten lieber noch einen Tag länger im Dreck leben, als die Bequemlichkeit zu verlassen und aufzuräumen.

Jetzt wohne ich nicht mehr bei meinen Eltern und der Spielzeug-Fresser hat sich längst ein neues Opfer gesucht. Ich könnte also im Chaos versacken. Und doch stelle ich staunend fest: Es hat sich etwas Wunderbares in mein Leben eingeschlichen. Etwas, das ein kleines bisschen stärker ist als der Bequemlichkeits-Sog und mich dazu bringt, meine kleine Bude ohne Mamas Fuchtel ordentlich zu halten. Notizen meiner „Sehn-Suche“:

-          Auch wenn sich das Gerücht hartnäckig hält, dass „das Genie das Chaos beherrscht“, so „ist Ordnung doch das halbe Leben“. Nichts inspiriert mich so, wie ein aufgeräumter Schreibtisch – ganz viel Platz und ganz viele Möglichkeiten.

-          Schönheit braucht Sauberkeit und Ordnung. Dekoration wirkt nicht, wenn daneben die schmutzigen Socken liegen und alles mit einer Staubschicht überzogen ist. Und ja – ich „putze“ mich gerne heraus: Duschen ist einfach besser, als sich tagelang mit Deo, Make-up und Trockenshampoo zuzukleistern.

-          Putzen hat auch etwas Therapeutisches an sich. Wenn in mir alles tobt und mein inneres Chaos mich zu ersticken droht, putze ich besonders leidenschaftlich. Ich drehe die Musik laut auf und schrubbe und sauge und schniefe und brülle und entrümple und lache und weine. Denn wenn in mir drin alles durcheinander ist, dann soll es wenigstens um mich herum blitzen und glänzen. Hinterher fühle ich mich ein bisschen besser, weil ich weiß, dass ich etwas Gutes und Richtiges getan habe auf dem Weg zurück zu der Person, die ich sein möchte.

Fazit: Ich habe in mir die Sehnsucht, „clean“ zu sein. Ich wünsche mir Reinheit, Klarheit und Ordnung. Nichts liebe ich an Jesus so, wie die Tatsache, dass er mich REIN wäscht. Manchmal stehe ich einfach da und bin überwältigt von dem Müll, den ich in mir angesammelt habe. Von allen fiesen Gedanken, meinem Selbstmitleid, meiner eigenen Unfähigkeit und allen Dingen, die ich will, die aber nicht gut für mich sind. Und dann singe ich mit Audrey Assad „I know it’s time to come clean“ und halte ihm meine leeren Schmutzfinger hin und sage: „Ich schaffe es nicht allein, kannst du mir bitte beim Aufräumen helfen?“ Und bereits in dem Moment ist alles wieder gut. Auch wenn um mich herum noch Chaos ist.

 

Trockenshampoo

Über das Zeug lässt sich streiten. Meine Oma hatte es schon und meine Mitbewohnerinnen meinen, dass sich die Qualität seitdem verbessert hat. Super, wenn man in 20 Minuten im Büro sein muss und es nicht mehr für die Dusche reicht. Aber keine Dauerlösung.

Kostenpunkt: 3-5 € im Drogeriemarkt.

 

Mary Poppins

Aufräumen kann Spaß machen – vor allem, wenn man Schnipsen kann … Klick.

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