Wie höre ich es, wenn Gott mir etwas sagt?
Die Bibel ist voll von Menschen, die Gott haben reden hören. Einige haben quasi akustisch etwas gehört, andere etwas Klares vor Augen gesehen, wieder andere haben geträumt – und bei einer ganzen Reihe kam Gottes Reden sehr deutlich und unterscheidbar zu ihnen, ohne dass man erfährt, wie genau das vor sich gegangen ist.
Viele dieser Arten, wie Gott redet, gehören nicht unbedingt zu unserer heutigen Alltagserfahrung – zu meiner jedenfalls nicht. Es wirkt oft ein wenig übernatürlich.
Der Mensch aus der Bibel, der mir da vielleicht am ähnlichsten ist, ist Nehemia. Er hat klar in Gottes Auftrag gehandelt und war sich dessen bewusst, dass Gott ihm etwas gesagt hatte. Aber zu ihm war weder ein Prophet gekommen noch hat er nachts etwas geträumt noch wird von einer anderen besonderen Offenbarung berichtet. Vielmehr hat er einen aufwühlenden Zustandsbericht gehört, hat sich das unter die Haut gehen lassen, hat mit Gott darüber gesprochen – und als dann plötzlich und unerwartet eine Gelegenheit zum Handeln kam, hat er – nach einem Stoßgebet – reagiert und gehandelt Und damit geht sein Werk los. Er weiß, was er zu tun hat, und er erlebt so viel Erfolg, dass er das nur als „Gottes gütige Hand über ihm“ deuten kann (Nehemia 1–2).
Irgendwann währenddessen kann Nehemia auch davon sprechen, „was Gott mir als Plan ins Herz gegeben hat“ (Nehemia 2,12). Aber wenn man sich nun fragt, wann das passiert ist und wie es vor sich ging, dann findet man im biblischen Bericht nichts weiter als das schon Erwähnte: hören, wahrnehmen, sich betreffen lassen, beten, planen, geistesgegenwärtig reagieren.
Wie redet Gott? Offenbar auch durch eine Summe verschiedenartiger Erfahrungen und „Stationen“ – und im Ergebnis kommt dann dabei heraus, dass Gott so geredet hat.
Später berichtet Nehemia noch einmal davon, das Gott ihm einen Gedanken ins Herz gegeben hat (Nehemia 7,5). Das passierte offenbar so, dass er ein altes Dokument fand und dann meinte, eine solche Übersicht wäre jetzt auch wieder nützlich. War das nur eine gute Idee? Nehemia hat mehr darin gesehen, nämlich eine Anregung Gottes. Aber wodurch sich diese „gute Idee“ von anderen guten Ideen qualitativ noch einmal unterschied, erfahren wir leider nicht.
Ich habe Gottes Reden oft so erlebt, dass ich grundsätzlich aufmerksam für ihn zu leben versuchte, betete, mit ihm besprach, was an Eindrücken auf mich zukam und dass dann Ideen entstanden. Immer wieder hat Gott dann daraus etwas machen können, meine ich. Diese Art von Nehemia, Gott reden zu hören, kommt mir recht vertraut vor. Sie scheint alltäglich und gleichzeitig geistlich zu sein.
Auf der anderen Seite ist das nicht immer ein deutliches Reden – denn wie gesagt: Wie unterscheide ich denn meine guten Ideen von Gottes Ideen?
Ich verliere also nicht aus dem Blick, dass – der Bibel zufolge – Gott noch viele andere, auch deutliche, auch un-alltägliche und übernatürliche Weisen hat zu reden. Um so etwas bitte ich ihn immer wieder. Zugleich sehe ich an Nehemia, dass meine Alltags-Auffassung ebenfalls ein Reden Gottes sein kann.
Wie sagte Jesus in anderem Zusammenhang? Das eine soll man tun und das andere nicht lassen.
