Was ist heilig?
Heilig – ist das eine ehrfürchtige Haltung? Im vollen Bewusstsein des Ernstes der Lage? Kann man unbefangen zu Gott hinschlendern und dabei seine Heiligkeit beachten?
Heiligkeit ist sicher eine sehr vielschichtige Sache. „Viel-schichtig“: Dabei ist es also wichtig, bestimmte Schichten nicht zu übersehen.
Eine dieser Schichten ist Freude! Und Trauer oder Schrecken passt dann überhaupt nicht zur Heiligkeit. Das wurde mir deutlich im Bericht darüber, wie die Israeliten sich fünf Stunden lang Gottes Wort vorlesen ließen (Nehemia 7,72–8,12). Sie hatten es offenbar lange Zeit vergessen. Jetzt hören sie es neu und sind sehr verstört. Es hat sie voll getroffen.
Das ist ein heiliger Moment. Die Israeliten brachen in Tränen aus – aber diejenigen, die Gottes Wort vorgelesen hatten (Esra, Nehemia, schriftkundige Leviten) melden sich sofort: Nein, nicht weinen, nicht schockiert sein! Ihr sollt euch vielmehr freuen und ein üppiges Fest feiern. Denn – und die Begründung ist entscheidend! – denn heute ist ein heiliger Tag für den Herrn euren Gott. Dreimal wird dieser Zusammenhang betont (Nehemia 8,9.10.11).
Von Gott getroffen werden ist heilig. Dann traurig sein ist nicht heilig. Heilig ist, sich zu freuen, weil man Gott verstanden hat.
