Gottes Reich besteht aus Menschen

Gottes Reich ist nicht „wo“, sondern „wer“ – das ist mir neulich bei Offenbarung 1,6 aufgefallen (siehe hier).

Der Ausleger Gerhard Lohfink hat dieses Wesen von Gottes Reich – so wie Jesus es beschreibt – schon vor vielen Jahren wiederentdeckt, nämlich beim bekannten Gleichnis vom „vierfachen Ackerfeld“ (Markus 4,1-20).

„Der Sämann ging aus, um zu säen.“ – „Der Sämann sät das Wort“. Wenn man nur diese beiden Sätze (Vers 3 und 14) zugrunde liegt, dann besteht das Reich Gottes darin, dass das Wort Gottes – die Botschaft Jesu, das Evangelium – sich ausbreitet. Das ist zum einen wieder eine quasi geografische Vorstellung (überall dort, wo verkündigt wurde,  entsteht das Reich Gottes). Zum andern ist es stark wort-orientiert.

Aber dann gibt es auch noch andere Formulierungen: „Die auf das Steinige gesät wurden, das sind …“ – „Die auf die gute Erde Gesäten sind …“ (Vers 15-20) – Hier wird nicht das Wort gesät, sondern der Sämann sät Menschen aus. Das Reich Gottes besteht also aus Menschen.

Dieser Sprachgebrauch ist gar nicht so ungewöhnlich, denn schon im Alten Testament wird Gottes Volk bildhaft als „Aussaat“ bezeichnet. Diese Denk- und Redeweise schimmert in der Deutung Jesu seines Gleichnisses in Markus 4 durch.

Wenn wir hoffen und beten: „Dein Reich komme“, dann müssen wir also umdenken, biblisch neu denken: Hier geht es um verwandelte Menschen und um Menschen, die ihre Umgebung verwandeln.

Und die Schlüsselfrage heißt dann nicht: Wo ist Gottes Reich? – sondern: Bin ich dabei und von ihn erfasst?

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