Lebensveränderung: sofort?

Beim Lesen der biblischen Berichte, wie Jesus Menschen geheilt oder befreit hat, stolpere ich oft über die Geschwindigkeit: Es scheint alles so schnell zu gehen. Krank – gesund. Und dann ist alles gut.
Die Erfahrung vieler Menschen und auch meine eigene ist: Veränderungen brauchen Zeit – auch wenn man die Energie von Jesus und die Kraft des Heiligen Geistes dabei erlebt. Neue Sichtweisen, neues Verhalten wächst oft in mehreren Schüben.
Bemerkenswert finde ich nun den Bericht über Simon aus Samarien (Apostelgeschichte 8,9-24). Der ist ein praktizierender Magier mit großem Zulauf. Bis er zum Glauben an Jesus kommt. Nichts im biblischen Bericht deutet darauf hin, dass diese Hinwendung zu Jesus fehlerhaft oder unvollständig ist.
Danach interessiert er sich besonders für die Heilungswunder, die bei den Christen geschehen. Verständlich – als gelernter Magier. Später kommen Apostel aus Jerusalem in die neu entstandene Gemeinde. Sie beten für die jungen Christen und Gott erfüllt sie sichtbar mit dem Heiligen Geist. Das fasziniert Simon außerordentlich und er fragt, ob er diese Fähigkeit nicht auch bekommen könnte: für andere beten und die werden dann mächtig vom Geist erfüllt. Simon bietet dem Apostel Geld dafür an.
Dessen Reaktion: „Zur Hölle mit dir und deinem Geld! Glaubst du wirklich, du kannst die Gabe Gottes kaufen? … Ich sehe ja, dass deine Gedanken völlig vergiftet sind und du im Bösen verstrickt bist.“
Die Gedanken eines Menschen, der an Christus glaubt und ihm nachfolgt, der als Zeichen seiner Hinwendung zu Jesus auch getauft worden war, sind „völlig vergiftet“! Er ist „im Bösen verstrickt“! Die eingefahrenen Gleise des alten, vor-christlichen Lebensstils waren noch wirksam gewesen. Die Erneuerung war nicht komplett und schlagartig passiert. Sie schreitet aber voran: Simon erschrickt und bittet die Apostel, für ihn zu beten. Er will offenbar die falschen Muster hinter sich lassen.
Mir ist diese Bekehrungsgeschichte irgendwie näher als manche Heilungsgeschichte von Jesus. Sie berührt sich mit meiner Erfahrung, ist aber dennoch voller Hoffnung.
Fazit 1: Die Bibel mit der Bibel auszulegen heißt auch, die Apostelgeschichte mit den vier Evangelien zu vergleichen.
Fazit 2: Es ist auch in der Bibel so, dass Veränderung Zeit braucht.
Fazit 3: Wenn Jesus Dinge tut, die ich so (noch? momentan? hier in Westeuropa?) nicht erlebe, dann sollte mich das weiter stören und mich fragen lassen, ob ich alle Möglichkeiten von Jesus schon erfasst habe.

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