Wenn die Bibel staunt
Wenn jemand staunt und etwas beschreibt, kann er schon mal ins Stammeln geraten. Wer das hört, denkt meist nicht: „Was für ein schlechtes Ausdrucksvermögen!“ Sondern: „Der hat was erlebt, das ihn wirklich bewegt hat!“
Die Bibel zeigt an manchen Stellen exakt eine solche Sprache: die Sprache des Staunens. Die Beschreibung schnappt nach Luft und sucht nach Worten. In unseren Übersetzungen kommt das manchmal, aber nicht immer zum Ausdruck.
Beispiel 1: Als Gott den Menschen schuf. 1. Mose 1,27:
»Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild; nach dem Bild Gottes schuf er ihn, männlich und weiblich schuf er sie!«
Die Wort-Wiederholungen zeigen, wie der Erzähler mehrmals neu ansetzt: Nach seinem Bild … nach dem Bild Gottes. / Gott schuf … schuf er ihn … schuf er sie. Das ist die Sprache des Staunens.
Beispiel 2: Als Jesaja die Serafim-Engel sah. Jesaja 6,2:
»Serafim – stehend über ihm. Sechs Flügel! Sechs Flügel hatte jeder! Mit zweien bedeckte er sein Gesicht und mit zweien bedeckte er seine Füße und mit zweien flog er.«
Sechs Flügel – Jesaja kann es nicht fassen. Und wer das liest, wird ›gleichzeitig‹ mit Jesaja und wird in Echtzeit ins Staunen hineingezogen.
