Gott will keine Marinonetten!

In fünfzehn Etappen durch den Phlipperbrief: 1,9-11

Viele werden es kaum glauben, aber: Christlicher Glaube zielt auf Mündigkeit. Wenn er Unmündigkeit hervorruft, ist etwas aus dem Gleichgewicht geraten oder es sind Menschen und nicht Gott am Werk.

Paulus schreibt diese Zeilen an Leute, die ihm wichtig sind. Offensichtlich gibt es unter den Christen in Philippi solche, die ihnen weismachen wollen, dass der Glaube, den sie durch Paulus kennen gelernt haben, nicht alles ist (vgl. 3,2-4). Aber Paulus traut seinen Freunden zu, verantwortlich im Glauben zu leben, eigenverantwortlich zu entscheiden und sich zu entwickeln. Diese Mündigkeit ist – interessanter Weise – in Liebe begründet. Die Liebe soll weiterwachsen und geprägt sein von Erkenntnis und Verständnis (Vers 9).

Liebe ist das eigentliche. Ein Liebe zu Gott, zu Jesus und den Menschen, die nach Verständnis sucht und die die Erkenntnis wert schätzt. Wie begegnen wir Gott? Mit oder in einer solchen Liebe? Wie begegnen wir den Menschen ums herum? In der Gemeinde, aber erst recht auch darüber hinaus?

Wie erleben die Menschen in Deutschland Christen? Woran denken sie, wenn sie an Christen denken? Was denkt der Nachbar eines Christen? Vermutlich selten: „Ich habe noch nie einen solch von Liebe erfüllten Menschen kennen gelernt!“

Viele Menschen halten Gott für den Meister im Führen von Strichlisten: Ausgestattet mit den besten Überwachungssystemen legt er von jedem Menschen eine Akte mit seinen Verfehlungen an. Und entsprechend gilt: Christen sind die Leute, die sich dem auch noch gerne aussetzen.

Ich frage mich manchmal, wie wir als Christen durch unsere Art zu leben dieses Klischee unterstützen: Peinlich darauf bedacht, einen korrekten Lebensstil zu führen und niemandem Unrecht zu tun. Anstatt in Liebe offen Beziehung zu leben und Fehler und Schwächen genauso zu teilen wie die schönen und freudigen Momente des Lebens. Können wir uns in der Gegenwart anderer Menschen eigentlich frei bewegen und verhalten? Oder fragen wir uns die ganze Zeit: Was denkt der andere gerade? Wenn ich beim Mittagessen bin und mir sitzt ein Arbeitskollege gegenüber: Muss oder möchte ich dann ein Tischgebet sprechen?

Paulus fordert uns dazu heraus, durch Liebe und Freiheit die Vorstellung von Christen als Moralaposteln zum Einsturz zu bringen. Wir geben nicht nur Gesetze weiter. Gott will keine Marionetten. Gott möchte Menschen, die mündig sind. Die Freiheit aus Glaubens zum Ausdruck bringen und in Liebe anderen begegnen. Unter diesen Vorzeichen den Nachbarn einzuladen, verspricht ein netter Abend zu werden. In Freiheit und Liebe Leben teilen – nicht Klischees erfüllen – ist das Motto eines mündigen Christseins.

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