Wo ist dein Philippi?

In fünfzehn Etappen durch den Phlipperbrief: 1,3-6

Paulus beginnt seinen Brief – nach einer üblichen Einleitungsformel – mit einem dicken „Dankeschön“. Ein Dankeschön, das er nicht an die Menschen richtet, sondern an Gott. Offensichtlich hat er Grund dazu, obwohl seine Situation – sage wir mal – nicht ganz optimal ist: Wir schreiben etwa das Jahr 55 nach Christus. Paulus sitzt im Gefängnis (vielleicht von Ephesus). Und während er seine Zeit absitzt, überkommt ihn plötzlich große Dankbarkeit und Freude (Vers 4).

Zweierlei ist bemerkenswert:
1. Die Freude an sich angesichts seiner Situation.
2. Der Grund der Freude, nämlich die Begeisterung darüber, wie seine Freunde in Philippi ihren Glauben leben.

Das was Paulus schreibt scheint uns angesichts seiner Situation fast unmenschlich: Freude und Dankbarkeit trotz Verfolgung und Gefängnis. Und in der Tat: Er hätte guten Grund, an den äußeren Bedingungen zu verzweifeln. Weil er sich für das Evangelium einsetzt, landet er im Gefängnis (1,12-14). Vermutlich keine angenehme Unterkunft mit fließend warmen Wasser, genug zu Essen und sauberen sanitären Anlagen. Man könnte meinen: Wer ein Wohlstandsevangelim erwartet, sollte vom christlichen Glauben die Finger lassen.

Die äußeren Bedingungen könnten ihn verzweifeln lassen. Aber das tun sie nicht. Denn die inneren Bedingungen sind nach wie vor gute. Seine Freude kommt von Innen und ist begründet in tiefer Gemeinschaft: Mit Gott und mit seinen Freunden in Philippi.  Wenn er an seine Gott und seine Geschwister im Glauben denkt, dann tritt er sprichwörtlich aus sich (und damit aus dem Gefängnis) heraus. Er kann hinter sich lassen, was ihn bedrängt. So schwer seine äußere Situation ist, sie vermag es nicht, ihm seine innere Freude zu nehmen.

Paulus ist kein Übermensch. Es gelingt ihm lediglich, sich in aller Not, an etwas festzuhalten. Das bewahrt ihn davor, in den Sumpf seiner Not abzusinken. Und er wird sich bewusst darüber: Mir ist etwas geschenkt, was mir niemand nehmen kann. Niemand.

Wenn wir der Bibel Glauben schenken, dann sollten wir uns Paulus Verhalten zum Vorbild nehmen: Die Gemeinschaft, die Gott unter denen schenken kann, die an ihn glauben, ist mehr, als nur die Mitgliedschaft in einem besonderen Verein für religiös Interessierte. Und der Gottesdienst ist mehr als nur eine wöchentliche Veranstaltung zum Aufrechterhalten des Vereinslebens.

Gott schenkt uns durch und in der Gemeinschaft die Möglichkeit zu innerer Freude. Freude, die auch dann gilt, wenn es um uns herum – sagen wir mal – unangenehm wird. Gott schenkt durch und in Gemeinschaft echten Grund zur Freude. Deshalb ist es wichtig zu wissen:

Wo ist dein Philippi?

Wo sind die Menschen, mit denen wir diese tiefe Liebe zu Gott teilen? Wo sind die Menschen, in denen wir sehen wie Gott handelt und die er mit seinem ganzen Denken erfüllt. Gerade dann, wenn wir mit unserer eigenen Situation ringen, dann kann der Blick auf andere helfen – damit wir sehen, dass Gott immer noch handelt. Und wenn er es bei ihnen tut, warum dann nicht auch bei uns?

Ich frage mich manchmal, wie das zusammenpasst, mit meinen Gedanken über meine Gemeinde. Erfüllt mich der Gedanke an unsere Gemeinde mit Freude, Dankbarkeit? Wie ist das bei dir? Wie denkst du über deinen Hauskreis, über deine Bibelgesprächsgruppe? Gibt es Menschen, an denen du siehst, wie Gott wirkt? Wo ist dein Philippi?

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