Philipper I – Ein Brief mit Absender und Empfänger
Es gibt viele Briefe: Liebesbriefe, blaue Briefe, Freundesbriefe, Steckbriefe, Mahnungen, Kettenbriefe und, und, und. Die meisten liest man einmal, manchmal zweimal und im ersten Fall vielleicht sogar öfter. Und dann nicht nur am Stück, sondern manchmal auch nur einigen, wenige Zeilen.
Als Paulus mit den Timotheus seinen Brief an die Gemeinde in Philippi schrieb, ahnte er wohl nicht, dass man ihn zweitausend Jahre später überhaupt noch lesen würde. Ich frage mich manchmal, ob er all diese Briefe geschrieben hätte, wenn er gewusst hätte, was man in den folgenden Jahrhunderten noch alles damit macht …
Unsere Art, seine Briefe zu lesen, entspricht wohl kaum den Erwartungen, die er an diesen Brief hatte. Angeleitet durch Überschriften und Versangaben hangeln wir uns gleich von Häppchen zu Häppchen, anstatt ihn zunächst einfach mal am Stück zu lesen. Und dann verbringen wir Wochen und Monate geistigen Tiefsinnens, angeleitet von Kommentaren und Impulsen, ohne den Überblick zu haben.
Ich habe das – zugegeben nicht sehr aufwändige – Experiment gerade hinter mich gebracht. Zwanzig Minuten hat es gedauert und mir ist sein Kernthema bzw. der rote Faden gleich ins Auge gesprungen: Freude und Dank über das, was Gott gemacht hat. Darüber hinaus habe ich mir beim Durchgang fünfzehn Stellen markiert. Es hätten natürlich noch mehr sein können, aber diese sind mir sofort ins Auge gesprungen – denn sie lagen mir quer oder ich fand sie besonders ansprechend. In den nächsten Wochen möchte ich sie vertiefend unter die Lupe nehmen. Nicht, um sie zu sezieren. Sondern um sie nachklingen zu lassen. Denn für mich gehört der Phlipperbrief in die Kategorie Briefe, die man immer wieder lesen kann.
Mein Wunsch ist, dass der Philipperbrief dadurch für mich mehr an Bedeutung gewinnt. Denn es ist ein Brief, der an Menschen geschrieben ist, die in ihrer Situation den Zuspruch brauchen: “Freut euch! Euch ist viel geschenkt. Mit Jesus Christus habt ihr alles, was ihr braucht. Ihr müsst nur bereit sein, das Geschenk, das Gott euch gemacht hat, auszupacken – auch dann, wenn nicht nur Köstlichkeiten darin sind.” Ich kenne viele Menschen, die diesen Zuspruch brauchen. Manchmal bin ich selber einer. Deshalb freue ich mich über diesen Brief.
In diesem Sinne möchte ich mich auf den Weg durch den Philipperbrief machen. Wer mag, kann mitkommen. Denn auch wenn wir nicht seine ursprünglichen Empfänger sind und den Absender noch nicht einmal persönlich kennen gelernt haben, so denke ich doch, dass in diesem leidenschaftlich verfassten Schriftstück etwas von Gott für uns drinsteckt. Deshalb bitte einmal am Stück lesen, bevor die Reise losgeht. Wir treffen uns dann an der ersten Station wieder. Bis dahin: Gottes Segen!
