Römer 8,28 – III: Veränderungsenergie

„Denen, die Gott lieben, verhelfen alle Dinge zum Guten.“

Was heißt das – „zum Guten“? Was ist das Gute, das uns erwartet? Wird es uns trotz allen Widrigkeiten doch letztlich gut gehen? Alle Widerstände lösen sich über kurz oder lang auf? Oder sie bleiben zwar bestehen – aber wir werden auf jeden Fall in unserem irdischen Leben noch den Segen erkennen, der darin enthalten ist? Also bleibt man z.B. krank, erfährt keine Heilung, aber kann die Vorteile erkennen, die Gott aus dieser Krankheit entstehen lässt?

Wenn wir den Paulussatz so verstehen würden, dann hätten wir unsere Vorstellungen davon, was gut ist, hineingelesen. Besser ist es zu fragen, ob Paulus nicht selbst eine Art Definition des „Guten“ hat.

Adolf Pohl macht in seinem Kommentar über den Römerbrief darauf aufmerksam, dass das Gute gleichbedeutend ist mit „dem Heil“ – also der Rettung, der Erlösung durch Christus,. Er begründet das mit Römer 14,16:

„Das Gute, das euch geschenkt wurde, darf nicht in Verruf kommen.“

In der Tat ist hier das Christus-Geschenk gemeint. Diesen Ansatzpunkt von Adolf Pohl müsste man aber noch weiter führen. Der folgende Satz bei Paulus lautet:

„Denn im Reich Gottes geht es nicht um Fragen des Essens und Trinkens, sondern um das, was der Heilige Geist bewirkt: Gerechtigkeit, Frieden und Freude.“ (Röm 14,17; NGÜ)

Auch das gehört also zum Christus-Geschenk, zum „Guten“: Das hereinbrechende Reich Gottes. Die Kraft des Heiligen Geistes. Gerechtigkeit. Frieden, Freude. All das sind keine harmlosen Gemütszustände, auch Frieden und Freude nicht. Sondern es sind Energien, die standhalten gegenüber den anderen Lebenserfahrungen: das römische Reich, die Feindschaft gegen Christus, die Ungerechtigkeit, der Unfriede. Auch eine Kraft wie „Freude“ hat hier ein sehr konkretes Veränderungspotential, indem sie z.B die Jesusleute nicht resignieren lässt, sondern den Blick weit hält für Gottes Reich.

Auch die Jahreslosung bestätigt diese Linie: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Römer 12,21) Auch hier ist also das Gute eine sehr wirksame Überwindungs- und Veränderungskraft.

Zurück zum Ausgangspunkt, Römer 8,28:

Alle Erfahrungen, die wir in unserem Leben machen, tragen dazu bei, dass Gott das „Gute“ hervortreten lässt: dass sein Reich hineinbricht mitten in diese anderen Erfahrungen hinein, die Paulus in Röm 8,35-39 auflistet.

In die Herrschaft des römischen Reiches oder die Herrschaft meines Egos ragt Gottes Gerechtigkeit hinein. Inmitten meiner Trägheit kommt Freude zur Wirkung. Wenn ich gehetzt bin oder unter der Diktatur der Meinungen anderer stehe, meldet sich Frieden. In Krankheit erfahre ich Gottes Reich, sei es durch Heilung, sei es durch Zuwendung von Menschen.

Nein, am Ende wird es mir nicht immer gut gehen. Sorgenfreiheit oder bürgerliches Glück ist nicht versprochen. Auch alle Rätsel um den Sinn von Engpässen werden nicht gelöst. Dennoch bündelt Gott all das zusammen und bringt es mit seiner Königsherrschaft in Kontakt.

Gottes Definition davon, was gut ist, ist um Klassen besser als unsere.

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