Römer 8,28 – I: Synergieeffekte

„Wir wissen aber dies: Denen, die Gott lieben, verhelfen alle Dinge zum Guten: (an) denen (geschieht das), die nach dem Entschluss berufen sind.“

Dieser Satz von Paulus ist einer der bekanntesten aus dem Neuen Testament. Häufig gewünscht zu Geburtstags- und Jubiläumsandachten. Unsere Sehnsüchte spiegeln sich darin: Alles möge gut ausgehen.

Vielen ist dieser Satz in der Lutherübersetzung im Gedächtnis: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.“ Alles führt zum Besten; zum optimalen Ergebnis, so klingt das hier. Aber das ist eine der ungenau übersetzten Luther-Stellen. „Zum Guten“ führen alle Dinge. Das klingt bescheidener, aber so ist es richtig übersetzt.

Ich brüte seit einigen Wochen über diesem Paulussatz. Z. B. darüber, was „verhelfen“ heißt. Das griechische Wort hat einmal eben diese Bedeutung: zu etwas verhelfen. Das wäre dann eine einfache, eindimensionale Wirkungskette: A verhilft B zu C. Alle Dinge (= A) verhelfen denen, die Gott lieben (= B) zum Guten (= C).

Aber man kann das Verb auch mit „mitwirken“ oder „zusammenwirken“ übersetzen. (Griechisch: „syn-ergéo“. Daher kommt „Synergie“.) Alle Dinge wirken zusammen, so dass es zum guten Ergebnis führt – zugunsten von denen, die Gott lieben. Dann wäre die Wirkungskette nicht so eindimensional, sondern „A“ – alle Dinge – ist vielfältig. Vieles Verschiedene webt sich zusammen und mündet hinein ins Gesamtergebnis: Gutes.

Das Zusammenspiel der Lebensumstände zu koordinieren – das ist dann Gottes Werk. Ich finde diese Vorstellung hilfreich. Denn dann ist nicht schon jede einzelne Erfahrung, die mir begegnet, in sich gut. Sondern es gibt ja durchaus viele böse Einflüsse in meinem Leben. Aber auch das Negative wird von Gott so mit den anderen Lebensfaktoren und -umständen zusammengeflochten, dass Gutes herauskommt.

Darin steckt ein doppelter Realismus. Realismus 1: Die Realitäten meines Lebens sind nun mal so, wie sie sind. Böses muss nicht fromm umgedeutet und schöngeredet werden. Realismus 2: Gottes kreatives Zusammenweben ist aber auch eine Realität in meinem Leben – genauso real wie die anderen Lebensumstände.

So viel für heute. Demnächst mehr zu diesem Bibelvers.

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