Hör auf die Väter: Werde nicht wie sie!

Psalm 78 ist insgesamt ein Rückblick von Asaph auf Israels Geschichte. Ein kritischer, selbstkritischer Rückblick.

Er enthält am Anfang eine äußerst bemerkenswerte Gedankenführung. Er knüpft zunächst bei den Erfahrungen der vorhergehenden Generationen an; der „Väter“. Was Israel von denen gehört und von ihnen an Überlieferung bekommen hat, das soll weitergegeben werden an die nachfolgenden Generationen. (Vers 3-6) Die Glaubenden sollen sich also hineinstellen in die Strömung ihrer Väter. Was sich bei denen bewährt hat, soll auch weiter gelten.

Was aber hat sich denn bei denen bewährt? Der gesamte Psalm zeigt, dass sie sich jedenfalls nicht bewährt haben. Sie sind Gott fortgesetzt untreu geworden.

Das Fazit daraus lautet in Vers 8: Werdet bloß nicht so wie eure Väter.

Damit hat der Psalm eine paradoxe Gedankenführung, die aber wiederum in sich stimmig ist:

Hör auf die Väter und werde demzufolge nicht wie sie.

Dieser Gedankengang setzt eine bemerkenswerte Fähigkeit zur Selbstdistanzierung voraus. Dass man imstande ist, sich selbst aus dem Abstand zu betrachten. Gott erwartet offenbar von seinen Leuten, dass sie das können.

Unsere Sprache kennt das Wort „bußfertig“. Das meint: bereit zur Einsicht und Umkehr. Aber vor der Bußfertigkeit kommt die Bußfähigkeit: eben dass man imstande ist zur kritischen Selbstdistanzierung. Ich finde es einen hohen Anspruch an die Menschen, dass Gott Bußfähigkeit erwartet. Ich sehe nicht, dass jeder dazu in der Lage ist, und für mich selbst kann ich es eher hoffen als fest behaupten. Aber Psalm 78 zeigt, dass Gott diesen Anspruch nun einmal hat.

Handwerkliche Schlussbemerkung:

Die besondere Gedankenführung dieses Psalms fällt dadurch auf, indem man aus Wortwiederholungen achtet und nachschaut, ob die wiederholten Worte jeweils im selben oder in einem anderen Zusammenhang auftauchen. Das bestimmende Leitwort ist in diesem Falle: „Väter“. In Gedanken oder auf dem Papier oder in der Datei kann man das mir Leuchtstift hervorheben und dann den bemerkenswerten Gedankenzusammenhang erkennen. „Leitwort“ wäre also hier der methodische Schlüssel zum Bibellesen.

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