Neue Bibeln
Eine neue Bibel ist für mich komischerweise immer etwas Aufregendes. Wie sieht das Druckbild aus? Wie dick ist das Papier? Wie liegt sie in der Hand? Ist der Umschlag schön – gefallen mir die Farben?
Es hat etwas Aufregendes, den Bibeltext, der mir an manchen Stellen geläufig ist, neu in einem unvertrauten Druckbild zu lesen. Als fände ich ihn das erste Mal.
Seit ich in der Redaktion arbeite, ist es nur noch „schlimmer“ geworden. Ich bekomme hier manchmal neue Bibelausgaben zur Ansicht. Dann lebe ich eine Weile damit, um mir einen Eindruck zu verschaffen. Die Ausgabe der „Hoffnung für alle“ mit zwischengeschossenen farbigen Seiten mag ich z.B., obwohl ich diese Übersetzung / Übertragung eigentlich nicht so schätze. Aber das Kirchenfenster auf dem Umschlag erinnert mich an meine Morgengebete während der Kur in einer Kirchen-Kapelle. Und die farbigen Erklärungsseiten dieser Bibel sind sehr ansprechend gemacht. Schließlich lassen sich lange Textstrecken dann doch gut hintereinander „weg“-lesen in dieser Übertragung. Ich habe Freundschaft mit dieser Bibel geschlossen.
Als Neustes kam mir eine „Pattloch-Bibel“ auf den Schreibtisch. Dick, groß, festes Papier. Diese Ausgabe hat zahlreiche Farbfotos aus dem Heiligen Land, teils archäologische, teils aktuelle. Sehr gute Hintergrundinfos. Die Übersetzung ist schon recht alt – aus den Sechzigern – und von drei katholischen Bibelwissenschaftlern. Keine supermoderne Sprache, aber sie fasziniert mich. Konzentrierte, knappe Formulierungen. Anders als Luther, so dass ich aus den gewohnten Sprachgleisen rauskomme – das ist gut, Und doch wieder ähnlich wie Luther: ästhetisch gelungen. Irgendwie prägnant.
In Römer 8 hat diese Übersetzung z.B. für Vers 33+34 eine überraschend knappe Wiedergabe – genial, weil der griechische Text an dieser Stelle auch so knapp ist. Josef Kürzinger, der Übersetzer, löst das, indem er Fragesätze bildet, ungefähr so:
„(33) Wer wird die von Gott Ausgesuchten (noch) beschuldigen? Gott, der gerecht spricht? (34) Wer ist noch (da), der verurteilt? Christus Jesus, der gestorben ist? – mehr noch: der auferweckt wurde, der auch seinen Platz neben Gott zu seiner rechten Seite hat, der sich auch für uns verwendet?“
Die Pattloch-Bibel wird übrigens seit Jahrzehnten von verschiedenen Ausstattungen herausgebracht, meist mit farbigen Bildern aus der Kunst, z.B. von M. Fedorov oder Rosina Wachtmeister. Ich fürchte, das sind Ausgaben, die gern angeschaut und kaum gelesen werden. Man hätte aber dann etwas verpasst, nämlich eben die interessante Übersetzung. In welchem Haus auch immer so eine Bibel herumliegt oder -steht: Nehmen! Lesen!
