Die Sprache des Alten Testaments 2
Hier noch ein Beispiel für die trocken-knappe Art des Hebräischen zu erzählen:
In 1.Mose 40 erfahren wir, wie Josef im ägyptischen Gefängnis sitzt und dort die Träume zweier Männer deutet, des Chefkellners und des Chefbäckers. Die Träume weisen – so Josef – auf das jeweilige Schicksal der Männer hin. Und dieses Schicksal beschreibt die Hebräische Bibel so:
Kellner: „Der Pharao wird dein Haupt erheben“. Das klingt nach einer Ehrung, nach Rehabilitation. (1.Mose 40,13)
Bäcker: „Der Pharao wird dein Haupt erheben …“ – also gerettet? – „weg von dir“. Das heißt nichts anderes als: Er wird dir den Kopf abreißen. (1.Mose 40,19)
Die Realisierung dieser Träume wird dann – knapper geht es kaum – für beide Männer nur noch mit einem Verb beschrieben: „Er erhob das Haupt des Obersten der Mundschenke und das Haupt des Obersten der Bäcker.“ (1. Mose 40,20) Der eine wird begnadigt, der andere gehenkt.
Liegt ein Sinn in dieser fast sarkastischen Ausdrucksweise? Vielleicht will die Bibel hier die Willkür malen, der Gefangene des Pharao ausgesetzt waren. Daumen rauf oder Daumen runter, Leben oder Tod, das liegt am Entschluss oder der Laune des Herrschers. Das Leben kann unversehens die Wendung hierhin oder dorthin nehmen. Er erhebt dir das Haupt … aber pass bloß auf, dass du es dabei noch behältst. Und mitten darin lebt Josef, dessen Biografie ja auch rasante Kurven aufwärts und abwärts machte, und wird von Gott bewahrt und geführt.
Manche Bibelleser haben Mühe mit den vielen Wiederholungen in den biblischen Berichten. Es kann monoton wirken. Aber gehen wir mal ruhig davon aus, dass auch Wiederholungen keine Unfähigkeit des Schreibenden waren, sondern auf etwas aufmerksam machen wollen. Oft ist nicht nur das, was in der Bibel steht, bedeutsam, sondern auch die Art, wie es darin steht.
2 Kommentare zu “Die Sprache des Alten Testaments 2”
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1.Mose 40,13 habe ich mal in aller Ruhe gelesen und fand darin: eine Geschichte. Ihr Inhalt: zwei Männer bekommen von einem Dritten Mann ihr Träume gedeutet. Das Problem ist der Ausdruck: das Haupt erheben.
Du hast schon Recht, für uns im Westen klingte es nach Ehrung. Aber der Text verrrät das es so nicht sein kann. Es muss etwas anderes sein. Mit Ehre hat es vielleicht nur insofern zu tun, als das der Pharao den beiden “Aufmerksamkeit” zu teil werden läßt. Und das kann, wie man weiß, auch mal Ärger bedeuten.
LG Frank
Lieber Herr L G Frank! Ihr Kommentar ist gut,trotzdem möchte Hebräisch können, um sicher zu sein,ob das deutsche Wortspiel besteht.