Wie die Bibel mich auf die richtige Spur setzt

Es ist wichtig, die Bibel nicht nur als Einzelspruchsammlung zu sehen, sondern in den Bahnen hinterher zu gehen, die die Bibel vor-bahnt. Das ist oft heilsam und formt unser Denken.
Ein Beispiel: Psalm 36. Der Beter scheint im Begriff zu sein, sich über gottlose Menschen aufzuregen. Hm – wenn mir das passiert, weiß ich, wohin das oft führt: in Selbstgerechtigkeit und Anklage. Ich erhebe mich dann über andere.
Im 36. Psalm haben die Beobachtungen über die Gottlosen alle ihren Platz. Sie werden Gott vorgetragen – das ist ja schon mal ein konstruktiver Schritt: raus aus dem Selbstgespräch, weg vom „inneren Gerichtshof“, hin zum Gebet.
Dann ändern sich abrupt Thema und Perspektive. Nicht mehr die Gottlosen sind interessant, sondern die Güte Gottes kommt jetzt zu Wort. Darauf konzentriert sich der Betende anstatt auf die menschliche Bosheit. Sie ist nur noch Inhalt eines kurzen Bittgebets: Er möchte nicht zu Schaden kommen durch menschliche Bosheit.
Und am Ende „löst“ sich das Problem wie von selbst. Der Beter hat die Gottlosen nicht bekämpft, hat nicht einmal Gott um eine Vergeltung gebeten. Sondern was sich da so groß gegen Gott aufgebaut hat, ist durchs eigene Gewicht gefallen. Ich verstehe den Schlusssatz des Psalms nicht als Schadenfreude, sondern als Wahrnehmung der Realität: Nachdem der Beter sich auf Gott konzentriert hat, erkennt er nun auch, was um ihn herum geschieht.
„Wegsehen auf Jesus“ heißt es einmal im Neuen Testament (Hebräer 12,2). Der 36. Psalm ist für mich so ein Bibelwort, das diese Bewegung macht und das meinem Denken und auch Fühlen einen heilsamen Weg bahnt.

Ein Kommentar zu “Wie die Bibel mich auf die richtige Spur setzt”

  1. Frankf 27 November 2010 at 15:38 #

    Das erinnert man daran, dass wir gern mit dem nackten Finger auf angezogene Leute zeigen.

    Viele kennen es: ein Finger zeigt auf den anderen, aber vier zeigen auf mich selbst (der Daumen zeigt an allem vorbei).

    Wenn Christenmenschen begriffen haben, dass jener auf den wir zeigen, ebenso wir selbst sein könnten, wird es still im Herzen. Dann kommt die Einsicht und Dankbarkeit macht sich breit.

    So einfach ist das.

    LG Frank


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